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Über 700 Teilnehmer beim Georgianertreffen

Lingener Tagespost vom 02.09.2010

Lingen (bm). "Mann, was war das für ein Wochenende." Die 13. Wiedersehensfeier der ehemaligen Georgianer des Lingener Traditionsgymnasiums in den vergangenen Tagen war für alle nicht nur ein Erfolg, sondern ein grandioses Ereignis. Ein Erfolg deshalb, weil jahrzehntelange Freundschaften bewahrt, wieder aufgefrischt oder neu entstanden sind; ein Ereignis, weil es wohl kaum eine Schule im Emsland gibt, wo die Identifikation der ehemaligen Schüler "mit ihrer alten Penne" so groß ist, wie zum Gymnasium Georgianum.
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Bereits am Freitagabend nutzten rund 700 Georgianer die Möglichkeit, die Lingener Innenstadt mit einem Fackelzug hell zu erleuchten und sich anschließend auf der Wilhelmshöhe zu begrüßen. Der Abend stand ganz im Zeichen erfrischender Anekdoten über "alte Pauker" und großer Wiedersehensfreude. Mit einer Kranzniederlegung durch den Vorstand des Vereins ehemaliger Georgianer am Gedenkstein vor dem Georgianum nahm der Samstag still und andächtig seinen Anfang.
 
Als Direktor des Georgianums freute sich Dr. Hermann Tallen vor rund 300 Ehemaligen, dass sie den Kontakt zu ihrer alten Schule aufrecht erhielten und vielleicht sogar erneuerten. Gleich zu Beginn ließ Tallen Oberkreisdirektor Hermann Bröring wissen, dass die Aula des "neuen Georgianums" in keiner Weise ihrem Anspruch gerecht werde und viel zu klein sei. Tallen bat den Oberkreisdirektor, doch alles daranzusetzen, hier in den nächsten Jahren Abhilfe zu schaffen. Daneben betonte der Schulleiter allerdings auch, dass man sich durch den Umzug von der Heidekampstraße an die Kardinal-von-Galen-Straße, verbessert habe. Zudem wolle man in diesem gymnasialen Zentrum, gebildet vom Georgianum und Johanneum, die bewährte Kooperation in der Oberstufe weiterhin fortsetzen und da, wo es sinnvoll und nötig sei, auch ausweiten.
 
Für die Festrede hatte man den Leiter der katholischen Akademie Berlin, Dr. Ernst Pulsfort gewinnen können, der sich vehement dafür aussprach, die Pluralität unserer Gesellschaft zu erhalten und auszubauen. Der unvoreingenommene Dialog mit anderen Menschen und die Kraft, auch an sich selbst zu arbeiten, seien ein Muss, wenn es darum ginge, zusammen zu leben und zu arbeiten. Schon früh habe er nach seinem Studium der Philosophie und Theologie erkennen müssen, dass die Wissenschaft der Theologie und der "gelebte Glaube" an Gott "zwei verschiedene paar Schuhe" seien. "Menschen werden durch theologische Dogmen nicht automatisch glücklich und es ist ebenso eine Illusion zu glauben, dass Menschen ohne Überzeugungen und ohne das Vertrauen in ewige Wahrheiten glücklich werden", betonte Pulsfort.
 
Die demokratische Staatsform bekenne sich zur Freiheit der Meinungen, zur Gleichheit aller Bürger und zur Vielfalt der religiös-weltanschulichen Bekenntnisse. Der Theologe: "Die Gesellschaft ist sogar verpflichtet mit diesen sich daraus ergebenden Widersprüchen zu leben und diese Pluralität der Meinungen auszuhalten." Funktionieren könne das allerdings nur dann, wenn Menschen klare Überzeugungen vertreten und diese nicht nur durch Stimmenmehrheit oder der Kraft des Stärkeren gestützt würden. Das gelte unter anderem für die Verantwortungsträger im Bereich der Kultur, der Wissenschaft, der Medien, der Kirche und Politik. Die Geschichte Deutschlands habe uns gelehrt, dass da, wo das Recht des Stärkeren regiere, kein Pluralismus mehr möglich sei, sondern nur noch eine Gleichschaltung der Meinungen und Institutionen.
 
Im Zusammenhang mit der katholische Akademie in Berlin erklärte der Lingener, dass Christen und Kirche den Dialog nicht irgendwo am Stadtrand im Grünen führen könnten, sondern nur da, "wo die Musik spielt." Berlin halte allen vor Augen, dass Deutschland nicht mehr selbstverständlich christlich oder vom Christentum geprägt sei. "10 Prozent Katholiken, 25 Prozent Protestanten und 6 Prozent Muslime leben in dieser Stadt. Über 50 Prozent der Berliner sind ohne Religionszugehörigkeit", berichtete Pulsfort. Hier gelte es anzusetzen, ohne dass sich Nichtgläubige durch religiöse Politik "vergewaltigt" fühlten. Sie müssten unsere Politik plausibel nachvollziehen und mittragen können.
 
Pulsfort: "Auch als Christ muss ich solange kompromissbereit sein, wie die Kompromisse nicht anfangen zu faulen oder zu stinken." Es sei auch nicht nötig, dass alle Gesetzte dieses Staates in der Bibel begründet sein müssten. "Aber es ist zwingend notwendig, dass jedem Menschen - sei er Christ oder andersgläubig oder nicht gläubig, die Freiheit garantiert wird, so lange zu forschen, zu fragen und zu suchen nach den Antworten des Lebens, solange dieses Leben währt." Rückblickend betonte der Leiter der katholischen Akademie Berlin, dass Schule ihm gelehrt habe, auch sich selbst in Frage zu stellen. Nur Menschen, die bereit und fähig seien umzudenken, würden diese Verantwortung um die Zukunft tragen können; Menschen, für die Wissen keine Macht sei, sondern Reichtum, den man auch auszuteilen bereit sei.