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Von „Hochzeitern“ und Herkules

Festakt zum Georgianertreffen am Samstag

 
Lingen. „Vor uns liegt eine Herkules-Aufgabe: Wir müssen drastisch Energie einsparen; deutlich die Energie-Effizienz erhöhen; kräftig die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen ausbauen und unsere sicheren Kernkraftwerke so lange wie nötig am Netz lassen.“
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Klartext, und zwar mit drastischen Worten, beinhaltete die Festansprache von Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender der EWE AG sowie Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft, zum alle fünf Jahre stattfindenden Georgianerfest in Lingen.

Bevor Brinker allerdings in „medias res“ ging, konnte Dr. Walter Schulz, Vorsitzender des „Vereins ehemaliger Georgianer“ am Samstag in der neuen Aula des Gymnasiums Georgianum ein volles Haus begrüßen.

In Reimen anstatt Prosa, „weil wie die Wahrheit schwer verdaulich“, ließ Schulleiter und Oberstudiendirektor Heinz Buss die vergangenen fünf Jahre Revue passieren. Buss sparte nicht mit Kritik an die Adresse der Behörden in Hannover, die fast täglich mit „Reformgetue“ kämen und damit „des Pädagogen höchste Pflicht, ist eigentlich der Unterricht“ zuwiderhandelten.

„Schwer verdaulich“ auch vor dem Hintergrund, dass gerade erst die nicht von allen geliebte Fusion mit dem Gymnasium Johanneum dennoch für beide Seiten erfolgreich beendet werden konnte.

Buss berichtete über die sich anfangs aufbauende Krise in Sachen „Hochzeit“ der beiden Gymnasien, über die Entscheidungsfindung: „Doch immer noch passiert’s der Braut, dass Bräutigam den Namen klaut“, den Einigungsprozess: „Der Abschied kam, man zauderte, und ehe man was Böses wähnte, tat‘s etwas weh, das Auge tränte“, bis hin zum Finale: „Nach kurzer Zeit ward es gemütlich, und täglich, stündlich ja minütlich, da können wir, wie alle sehen, Arm in Arm spazieren gehen.“

Kein humorvoller, sondern ein aufrüttelnder Spaziergang durch die vergangenen Jahre mit Ausblick auf die „vor uns liegende Zeit“ war der eingangs erwähnte Festvortrag des EWE-Vorstandsvorsitzenden.

„Wir werden unser Geld in Zukunft nicht mehr mit dem Energieverkauf, sondern mit Energieeinsparung, Energiedienstleistungen und der Stromproduktion auf der Basis erneuerbarer Energiequellen verdienen“, betonte Brinker, dessen Unternehmen rund 8500 Mitarbeiter zählt.

Wer einen solchen „Paradigmenwechsel“ wolle, dürfe aber nicht vergessen, seine eigenen Leute auf diesem Wege mitzunehmen. Dazu bedürfe es keiner basisdemokratischen ewig währenden Diskussionsrunden, sondern überzeugender Forschungs- und Entwicklungsarbeit, erfolgreicher Geschäftsmodelle und Schaffung einer Arbeitsatmosphäre, in der Kreativität und Optimismus gedeihen könnten.

„Es reicht nicht aus, ständig beim Staat ein besseres Bildungssystem anzumahnen und nichts für die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter zu tun. Es reicht nicht aus, ständig von der öffentlichen Hand neue Kitas zu fordern und nichts für die Kinder der eigenen Mitarbeiter zu tun“, mahnte Brinker. In einem vom demografischen Wandel geprägten Land und heute schon erkennbaren Lücken bei jungen Nachwuchskräften mit technisch-naturwissenschaftlicher Ausbildung müssten alle Anstrengungen unternommen werden, schnellstens die Potenziale in dieser Gesellschaft zu heben.

„Wir werden schon in Kürze nicht mehr in der Lage sein, unseren akademischen Nachwuchs aus Deutschland heraus zu rekrutieren“, betonte der Unternehmenschef nachdenklich.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Schülerinnen und Schülern sowie Gästen des Georgianums unter der Leitung von Maria Tilmann-Bürger.


Quelle: Lingener Tagespost 29. August 2010