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Altbischof Dr. Martin Kruse kann tief berühren

 

Lesung aus seinen Erinnerungen zum Georgianertreffen im Foyer des Theaters – Humorvoll und nachdenklich

Lingen. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit und mit seinen 81 Jahren ein gewichtiger Zeitzeuge der jüngeren deutschen Geschichte, an deren großen Umwälzungen Ende des letzten Jahrhunderts er an verantwortungsvoller Stelle teilhaben durfte: Altbischof Dr. Martin Kruse.

Er las im Theaterfoyer aus seinen Erinnerungen „Es kam immer anders“. Anlass, so erklärte es Dr. Walter Schulz vom „Verein ehemaliger Georgianer“ zu Beginn, war das diesjährige Georgianertreffen.

Am Georgianum legte, der Lingener weiß es, Bischof Kruse sein Abitur ab. Dieser stellte zu Beginn allerdings klar, das er keineswegs aus dem Emsland stammt. Vielmehr erblickte der Pastorensohn in Lauenberg das Licht der Welt, wurde in Sülzhayn in Thüringen eingeschult. Erst 1938 nahm sein Vater die Stelle des ev.-luth. Geistlichen in Lingen an.

Martin Kruse hat eine klare, verständliche Sprache, welche die Menschen erreicht. Humorvoll seine Ausführungen über seinen Wechsel auf das Georgianum, ebenso wie sein Hinweis, dass er keineswegs der „überfliegende Schüler“ gewesen sei, zu dem ihn mancher machen wollte.

Aber er kann auch tief berühren. Bei seinen Ausführungen über die damaligen Nachbarn, die jüdische Familie Hanauer, ihre Zurückgezogenheit und Angst, der Beschreibung der „Reichskristallnacht“, bei der auch die Lingener Synagoge angezündet, Scheiben eingeworfen wurden und seiner Frage nach dem „wo waren wir“ sowie der Verantwortung der christlichen Mitmenschen eben auch in unserer Stadt, hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Einen weiteren Teil der Lesung nehmen die Ereignisse von 1989, dem Fall der Mauer und der daraus resultierende Prozess der Annäherung und des Zusammenwachsens ein. Kruse war zu diesem Zeitpunkt Bischof von Berlin-Brandenburg, über seine Ankunft kann er eine amüsante Anekdote beisteuern. Nach seiner Wahl prangte auf dem Titel der BZ, Berlins größter Boulevardzeitung, die Headline: „Mann im Haus des Nachtklubkönigs Rolf Eden ermordet“. Darunter war ein großes Bild Kruses mit dem Hinweis: Berlins neuer Bischof.

Eines wird einem bei dieser Lesung schnell klar: Kruse hat immer noch etwas zu sagen – es lohnt sich, ihm zuzuhören, was auch der lang anhaltende Applaus am Ende beweist. Das Lesen des Buches „Es kam immer anders“ erscheint als Pflichtlektüre. Es ist im Kreuz-Verlag erschienen und u.a. bei Holzberg zu erwerben, die an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt war.


Quelle: Lingener Tagespost 29. August 2010