Melden Sie sich jetzt mit Ihren Zugangsdaten an:

 
Zugangsdaten vergessen?
 Neues Passwort anfordern
Noch keinen Zugang?
 Zum Kontaktbereich
 

Zunächst 60 Schüler in drei Klassen (LT-Serie 3/5)

 

Georgianum eröffnet am 19. April 1820 – Friedrich Heidekamp erster Rektor

 
Am 19. April 1820 ist das Gymnasium Georgianum in Lingen feierlich eröffnet worden. Der 64-jährige Professor Friedrich Heidekamp wurde erster Rektor. Die Inschrift an der Fassade „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ verfehlte ihre Wirkung nicht: Im ersten Schuljahr wuchs die Schülerzahl auf etwa 60, verteilt auf drei Klassen.

Ein Auf und Ab bei den Schülerzahlen folgte, schließlich sank sie auf unter 50 im Jahre 1830. Für die Stadt Lingen war das Gymnasium ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und so versuchten Magistrat und Schulkommission, dem Ministerium in Hannover die Anerkennung als sogenanntes Gymnasium Erster Klasse abzuringen. Quasi als Weihnachtsgeschenk fiel am 24. Dezember 1830 in Hannover die Entscheidung, die „gelehrte Schule zu Lingen künftig als ein Gymnasium Erster Classe“ anzusehen.

König Georg V. in Lingen

Am 4. August 1857 weilte schließlich König Georg V. mit seiner Familie in Lingen. Ein Anlass, den Schuldirektor Dr. Ernst Georg Nöldeke nutzte, um den König mit einem 18-strophigen lateinischen Loblied zu ehren – und ihn für einen Neubau zu interessieren. Mit Erfolg. Zum Dank soll die Schule den Namen des Königs tragen und Georgianum heißen. Im Bericht der Lingener Königlichen Schulkommission vom 9. Januar 1858 heißt es dazu: „Wenn dem neuen Hause die Ehre zu Theil wird, nach dem Namen unseres allergnädigsten Königs ‚Georgianum‘ genannt zu werden, so wird uns dieses sehr erfreulich sein.“

Nach dem Bescheid vom 19. Februar 1858 erfolgte vier Tage später der Erlass: „(…) dass des Königs Majestät gerne genehmigt haben, dass das Gymnasium zu Lingen den Namen Georgianum erhalte und derselbe am Gebäude äußerlich angebracht werde.“ Der Name galt ausdrücklich nicht dem Gebäude, sondern der Institution.

Am 12. Oktober 1859 wurde die Schule in Anwesenheit des Königs offiziell übergeben. „In feierlichem Zuge begebe man sich paarweise über den Schulplatz durch die Clubstraße und über den Markt nach dem neuen Gymnasialgebäude.“ Zuvor wurde „Seine Majestät bei der Ankunft des Königlichen Zuges am Bahnhof begrüßt und unter dem Glockengeläut der drei Stadtkirchen durch die geschmückte Stadt und dem begeisterten Zuruf der Menge nach dem Schulgebäude geleitet.“ Aus seinen Händen erbat Direktor Nöldeke den Schlüssel und öffnete das Gebäude.

Die vom 79-jährigen Oberschulrat Dr. Friedrich Kohlrausch in „mit jugendlicher Frische in deutscher Sprache gehaltene Rede“ war einer von vielen Beiträgen auf der Feier zur Übergabe des neuen Gebäudes mit der ausgemalten Aula, dem Turnhallenanbau, der Vorhalle, den Säulen, der großen Gedenktafel für die Gefallenen und der Inschrift aus dem Johannesevangelium: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird Euch frei machen.“ 100 Jahre war das Gebäude in der Gymnasialstraße, die „Alte Penne“. Nur die alten Linden erinnern noch an den ehemaligen Schulhof. Im August 1930 feiern die Georgianer schließlich das 250-jährige Bestehen und ihr erstes Georgianertreffen.

In der NS-Zeit wurden sechs Lehrer des Gymnasiums vom Amt suspendiert bzw. strafversetzt („Blockhütten-Affäre“ 1935). Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehrere Lehrer auch an die Front, und viele Schüler legten das Kriegsabitur ab, um Soldat zu werden. Auf der dritten Wiedersehensfeier 1950 stellte man erschüttert fest, wie viele ehemalige Lehrer und Schüler aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückgekehrt waren. „Alle Erziehungsarbeit muss im Schatten des Kreuzes stehen“, erklärte Dr. Paul Keseling, seit 1945 Leiter des Georgianums.

Noch bis 1933 hatte es vom achten bis zum letzten Schuljahr für alle Schüler je sechs Wochenstunden Griechisch gegeben. In der NS-Zeit ließ man den Griechischunterricht auslaufen. Als die Schule 1947 ein „humanistisches Gymnasium der niedersächsischen Form“ wurde, bedeutete dies vier- bis fünfstündigen Griechischunterricht ab der neunten Klasse. Als das Georgianum dann 1949 auch einen naturwissenschaftlich-mathematischen Zweig erhielt, konnte man ohne Griechisch zum Abitur gelangen. Die Schülerzahl stieg bis 1958 auf über 450, mit ihr die Zahl der Klassen auf 18.

So entschied der Kreis Lingen sich für einen Neubau mit geräumigen Innenhöfen, hellen und modernen Klassen- und naturwissenschaftlichen Fachräumen, einer Bibliothek, vorbildlicher Turnhalle und zweckmäßigen Aula. Nach 100 Jahren in der „Alten Penne“ fand der Unterricht ab dem 6. August 1958 im neuen Gebäudekomplex in der heutigen Heidekampstraße statt und wurde am 26. September 1958 feierlich eingeweiht. Die guten Wünsche erfüllten sich hinsichtlich der Schülerzahlen sehr schnell: Schon zehn Jahre nach der Einweihung erwies sich das Gebäude als zu klein für mittlerweile 888 Schülern. Die politische Bildungsoffensive zeigte Wirkung, und die demografische Entwicklung ließ auf eine weitere Expansion schließen.

Der Landkreis entschloss sich zum Bau des neuen Schulzentrums an der Kardinal-von-Galen-Straße, in das 1969 mit der damaligen Kreisrealschule der vom Georgianum abgetrennte neusprachliche Zweig einzog, der als selbstständiges Gymnasium kurze Zeit später den Namen Johanneum erhielt. Der altsprachliche Zweig blieb in der Heidekampstraße.

Zusammenlegung 2009

Zurückgehende Schülerzahlen, aber auch die Einrichtung einer Gesamtschule in Lingen hatten zur Folge, dass das Gebäude an der Heidekampstraße 1998 nach genau 40 Jahren vom Gymnasium geräumt wurde, die Gesamtschule Emsland einzog und das Georgianum an den jetzigen Standort im Schulzentrum wechselte. Das 325. Bestehen feierte das Georgianum 2005 im Theater unter anderem mit dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Nach Auflösung der Orientierungsstufe entwickelten sich die gymnasialen Schülerzahlen rasant, jedoch unterschiedlich. Die beiden staatlichen Gymnasien Johanneum und Georgianum wurden zum Schuljahr 2009/10 zusammengelegt. Mehr als 1400 Schüler besuchen jetzt das Georgianum im Schulzentrum.
 
Quelle: Lingener Tagespost 26. August 2015